Ich habe mir das Mooer Red Truck als Ergänzung/Ersatz für mein Pedalboard geholt, Ergänzug weil ich bisher noch kein Reverb und Delay hatte und Ersatz für meine Harley Benton Chorus, Heavy Metal und Overdrive Pedale.
Lieferumfang:
Das Pedal wird in einer Tragetasche aus mittelhartem Plastik mit Kunststoffgewebeüberzug geliefert. Um die Tragetasche ist ein Karton mit Informationen zum Pedal angebracht, welcher zur Seite weggeschoben werden muss um die Tasche zu öffnen. Neben dem Pedal ist in der Tasche nur noch eine Anleitung enthalten.
Verarbeitung:
Der erste Eindruck des Pedals ist sehr hochwertig, es ist aus einem stabilen Metall gefertigt und liegt schwer in der Hand. Die Fußschalter sind ebenfalls aus Metall, die Kappen der Drehregler aus Plastik, welches an der Seite dunkel ist, oben durchsichtig und mit einem gut sichtbaren weißen Positionsstrich versehen. Das Display links hatte bei mir schon beim Auspacken einen ca. 1 cm großen Kratzer
Beleuchtung:
Das Board ist mit vielen LEDs versehen, welche allesamt sehr hell leuchten und auch bei Tageslicht erkennbar sind. Im Display wird zu jeder Zeit der aktuelle Modus (Live/Preset) angezeigt bzw. die Saite, falls das Stimmgerät aktiviert wurde. Um die 6 Fußschalter in der unteren Reihe sind je 4 LEDs im Kreis angeordnet. Der linkeste Fußschalter ("Tap") blinkt immer im Takt, der durch mehrfaches Drücken des Schalters vorgegeben wird und die Geschwindigkeit von Modulation und Delay einstellt. Die anderen 5 Fußschalter leuchten bei Aktivierung grün. Ist ein einzelner Teil des Pedals aktiv (egal ob im Live- oder Preset-Modus), leuchten die Drehregler des Teils rot auf.
Pure Boost:
Rechts oben ist der Boost-Teil des Red Truck. Dieser wird über einen Kippschalter aktiviert und kann nur sehr schlecht zu Fuß bedient werden. Dies ist sehr schade, da man den Boost so kaum während eines Liedes (z.B. für ein Solo) aktivieren kann. Der "Boost"-Drehregler regelt die Lautstärke: Ganz links ist das Signal komplett gemutet, auf 12-Uhr-Stellung bleibt das Signal gleich laut und ganz rechts wird es merklich lauter. Mit dem 2-Band-Equalizer ("Bass", "Treble") lässt sich die Klangfarbe des Boosts ändern, zwar nicht in einem extremen Ausmaß aber doch merklich.
Drive:
Rechts unten ist der Overdrive-Teil des Red Truck, dieser lässt sich wie alle folgenden Teile ganz normal über einen Fußschalter aktivieren. Mit dem "Volume"-Drehregler stellt man die Ausgangslautstärke des Pedalteils ein. Ganz links ists das Signal komplett gemutet, bei ca. 10 Uhr ist das Signal in etwa gleich Laut wie bei deaktiviertem Pedal. Weiter nach rechts wird das Signal deutlich verstärkt, ganz rechts ist es lauter als bei vollem Boost aus dem "Pure Boost" Teil. Mit dem "Gain"-Regler stellt man den Verzerrgrad ein. Ganz links ist das Signal beinahe Clean und ab 9 Uhr verzerrt. Zwischen 12 Uhr und ganz rechts ist kein großer Unterschied mehr zu erkennen. Mit dem 1-Band-Equalizer ("Tone") lässt sich die Klangfarbe der Verzerrung einstellen, allerdings in geringerem Umfang als beim "Pure Boost"-Teil.
Dist:
Der zweite Teil von rechts ist der Distortion-Teil des Red Truck, dieser verhält sich ähnlich wie der "Drive"-Teil. Mit dem "Volume" regler stellt man auch hier die Lautstärke ein, ganz links ist das Signal komplett gemutet. Abgesehen davon hängt die Lautstärke aber auch vom "Gain"-Regler ab. Je nach dessen Stellung ist das Signal bei Volume zwischen 10 Uhr und ganz rechts gleich
laut wie bei deaktiviertem Pedal bis wesentlich lauter. Ist der "Gain"-Regler ganz links, ist das Signal stark komprimiert und wird leiser. Ansonsten verhält sich der Regler ähnlich wie beim "Drive"-Teil, mit dem Unterschied dass das Signal lauter wird je weiter er nach rechts gedreht wird. Mit dem 3-Band-Equalizer ("Treble", "Mid", "Bass") lässt sich auch hier die Klangfarbe einstellen. Durch die zusätzliche Kontrolle über die Mitten lässt sich hier alles von einem mittenbetonten bis hin zu einem modernen Metalsound (mid scoop, high gain) erreichen. Der "Mid Boost"-Switch hat je nach Stellung der Equalizer-Regler mehr oder weniger starke Auswirkungen. Allgemein wird das Signal durch seine aktivierung etwas wärmer.
Mod:
Der mittlere Teil des Red Truck ist für die Modulationen zuständig. Der "Level"-Regler verhält sich hier nach dem Dry-Wet-Prinzip: ist der Regler ganz nach links gedreht, hört man nur das Eingangssignal (als ob das Pedal deaktiviert wäre, "Dry"), dreht man den Regler ganz nach links hört man ausschließlich das modulierte Signal ("Wet"). Der "Rate"-Regler stellt die Geschwindigkeit der Modulation ein, diese wird aber bei Betätigen des linkesten Fußschalters ("Tap") überschrieben. Dies hat den Vorteil, dass die Geschwindigkeit mitten im Spielen angepasst werden kann, allerdings stellt sich damit auch der Sinn des "Rate"-Reglers für mich infrage. Der "Depth"-Regler stellt die Stärke der Modulation ein und Verhält sich damit ähnlich wie der "Level"-Regler, aber feiner. Der große Drehregler stellt den Ryhthmus der Modulation ein, in den Schritten ganz, halb, viertel, achtel, achteltriole, sechzehntel, Zufall (ändert sich jeden Takt). Mit dem Kippschalter wählt man die Art der Modulation: Tremolo, Phaser und Chorus/Flanger klingen in meinen Ohren wie sie klingen sollen.
Delay:
Der zweite Teil von links regelt das Delay des Red Truck. Der "Level"-Regler stellt die Lautstärke des Echos ein, ganz links hört man ausschließlich das Eingangssignal, ganz rechts ist das Echo beinahe so laut wie das Eingangssingal. Der "Time"-Regler verhält sich entgegengsetzt zum "Rate"-Regler im Modulations-Teil, je weiter man ihn nach rechts dreht, desto langsamer wird das Echo. Er wird ebenso durch den "Tap"-Fußschalter überschrieben, wodurch ich auch hier denn Sinn des Reglers für mich infragestelle. Der "Feedback"-Regler stellt ein, wie viele Echos erzeugt werden_ Ganz links lediglich ein einziges Echo, ganz rechts über 100. Der große Drehregler stellt den Rhythmus des Echos ein, in den Schritten viertel, achtel, sechzehntel, vierteltriole, achteltriole. Die zwei restlichen Einstellungen erschließen sich mir leider nicht, aus das Handbuch gibt hier keine Auskünfte. Mit dem Kippschalter wählt man die Art des Echos: zwischen "Analog", "Echo" und "Digital" kann ich aber keine großen Unterschiede erkennen.
Reverb:
Ganz links neben dem Display ist der Hall-Teil des Red Truck. Der "Level"-Regler ist hier wieder nach dem Dry-Wet-Prinzip ausgelegt: ganz links hört man ausschließlich das Eingangssignal, ganz rechts ausschließlich den Hall ohne jegliches Eingangssignal. Der "Decay"-Regler stellt die Dauer des Halls ein, von kaum hörbar ganz links bis mehrere zehn Sekunden ganz rechts. Der "Tone"-Regler hat nur auswirkungen auf den Hall und nicht auf das Eingangssignal, weshalb seine Auswirkungen nur minmal sind. Der "Shimmer"-Regler erzeugt künstlich klingende Höhen im Hall. Die Mod-Regler "Depth" und "Rate" erzeugen im Hall eine Modulation ähnlich eines Flangers.
Tuner:
Das Stimmgerät des Red Truck wird durch langes Drücken des "Tap"-Fupschalters aktiviert. Leider ist es in meinem Fall so ungenau, dass es als Stimmgerät nahezu unbrauchbar ist. Mein Harley Benton TU-100 zeigt 1-2 LEDs zu hoch bzw. tief an, wenn die Saite nach dem Tuner des Red Truck gestimmt wurde. Daher ist der Tuner in meinem Fall höchstens zum Muten des Signals geeignet.
Die Teile des Red Truck lassen sich im Live-Modus einzeln an- und ausschalten. Der eigentliche Clou des Red Truck ist aber der Preset-Modus, welcher durch gleichzeitiges Drücken von "Tap" und "Reverb" aktiviert wird. Hier können beliebige Kombinationen der einzelnen Teile (mit ausnahme von Pure Boost) auf den Fußschaltern 1-5 gespeichert und dann gleichzeitig abgerufen werden. Beispielsweise können so durch das Drücken des Fußschalters 2 ("Delay") gleichzeitig die Teile Reverb, Delay und Dist aktiviert werden. Somit können mit nur einem einzigen Fußtritt mehrere Teile nach Belieben geschaltet werden. Dies kann vor allem hilfreich sein, um beispielsweise von einem Cleanen Signal auf ein Solo mit Verzerrung, Modulation und Echo mit nur einer Bewegung zu schalten.
Ein Hinweis zur Stromversorgung:
Dem Red Truck liegt kein Netzteil bei. Wird das Red Truck zusammen mit anderen Pedalen verwendet, sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden ein Netzteil mit isolierten Ausgängen zu verwenden. Durch die analogen und digitalen Anteile des Red Truck entstehen im Zusammenspiel mit anderen Pedalen ansonsten Störsignale.
Fazit:
Das Red Truck vereint viele oft benutzte Gitarreneffekte in einem einzelnen Gehäuse. Die Einstellungsmöglichkeiten der Effekte sind dabei vielfältig. Das besondere Feature des Red Truck ist aber der Preset-Modus, in dem es sich wie ein Looper für mehrere Effekte verhält. Das Red Truck ist für den Preis schon die verschiedenen Effekte wert, der Preset-Modus macht es aber zu etwas Besonderem. Lediglich der Tuner des Red Truck ist aus meiner Sicht nicht brauchbar. Durch die Anzahl an Effekten und den Preset-Modus eignet sich das Red Truck meiner Ansicht nach vor allem für fortgeschrittene Gitarristen. Anfänger könnten von der Anzahl an Optionen überfordert sein, und Profis werden wohl eher auf einen echten Looper mit mehreren hochqualitativen Effekten oder ein teures Multieffekt-Pedal setzen.